Oberstufentheater führte  „Die Physiker“ auf (eingestellt am 05.03.2026)

Das Oberstufentheater des Gymnasiums Herzogenaurach hat am vergangenen Wochenende, 27. Februar bis 01. März, eindrucksvoll bewiesen, welches Niveau anspruchsvolles Schultheater erreichen kann. Friedrich Dürrenmatts „Die Physiker“ wurde vom Ensemble der 12. und 13. Jahrgangsstufe nicht nur texttreu, sondern mit klarem Gegenwartsbezug, großer Spielfreude und bemerkenswerter Bühnenpräsenz umgesetzt.

Bereits zur Premiere am Freitag war Schulleiter Ralph Frisch anwesend. Im Anschluss überreichte er allen Mitwirkenden – Schauspielerinnen und Schauspielern, Technik, Maske und Regie – jeweils eine Rose als Zeichen der Anerkennung für die intensive Probenarbeit und die starke Gesamtleistung.

Die Inszenierung unter der Regie von Simone Aguilar Zarate und Dr. Winfried Neumann lebte von Dynamik und Tempo: schnelle Szenenwechsel, präzise Dialogführung und eine hohe Konzentration auf sprachliche Artikulation prägten die Abende. Immer wieder reagierte das Publikum mit Szenenapplaus – etwa nach der überraschenden Rap-Einlage der Möbius-Kinder oder nach der akrobatischen Choreografie der Pfleger. Aufgrund des straffen Inszenierungsrhythmus entlud sich die Begeisterung jedoch besonders deutlich in langanhaltendem Applaus zur Pause und am Ende der Aufführungen.

Herausragend war die geschlossene Ensembleleistung. Die Gruppe zeichnete sich durch sichtbare Spielfreude und großes Engagement aus. Besonders anspruchsvolle Sprechrollen übernahmen Cedric Palfi (Q12) als Möbius und Kayla Moya Latham (Q13) als Dr. Mathilde von Zahnd, die ihre umfangreichen Texte souverän, fehlerfrei und mit beeindruckender Präsenz meisterten.

Inhaltlich setzte das Ensemble bewusst Akzente zur Gegenwart. „Die Kritik an der Atomforschung lässt sich gut auf Künstliche Intelligenz übertragen“, erklärt Florian Kröner (Q13). Auch Antonio Cabrita (Q12) betont: „Wissenschaftliche Erkenntnisse können ein Segen und zugleich eine Gefahr sein – je nachdem, wer sie nutzt.“ Die Aktualisierung des Stücks wurde auch technisch eindrucksvoll umgesetzt. Technik-Chef Nilaksh Yadav (Q12) beschreibt die Inszenierungsidee: „Wir haben Kaylas Monolog im Vorhinein aufgenommen und als metallisches Playback wiedergegeben. Durch einen Morph-Effekt und einen Matrix-Code wurde der Zusammenhang zwischen der Weltformel und einer neuen KI visuell deutlich.“ Der Moment, in dem das Publikum realisierte, dass Stimme und Spiel nicht mehr übereinstimmen, erzeugte eine spürbare Irritation: ganz im Sinne der Inszenierung.

Dass aus vielen einzelnen Szenen ein stimmiges Gesamtstück entstehen würde, zeigte sich für die Mitwirkenden erst im Laufe der Probenphase. „Als wir das erste Mal einen kompletten Durchlauf gespielt haben, haben wir gemerkt: Es funktioniert wirklich“, berichtet Rebecca Lohmaier (Q13). Auch Tyler Gugelmann (Q13) erinnert sich, dass erst die vollständigen Durchläufe das Zusammenspiel aller Elemente sichtbar machten.

Die Premiere brachte eine neue Dimension der Spannung mit sich. „Als man das Publikum in den Saal kommen hörte, war das ein ganz besonderer Moment“, erinnert sich Rebecca Lohmaier (Q13). Katharina Seiffert (Q12) ergänzt: „Vor der Premiere war man deutlich nervöser; vor allem, wenn Familie und Freunde im Publikum sitzen.“ Doch sobald der erste Satz gesprochen war, wich die Anspannung konzentrierter Präsenz. Tyler Gugelmann (Q13) beschreibt das Spiel vor vollem Haus als „etwas ganz Besonderes“, das durch die Publikumsreaktionen zusätzlich Sicherheit gab.

Besonders intensiv wurden die Reaktionen des Publikums wahrgenommen. Anja Bucher (Q12) erinnert sich an den Rap-Moment: „Von Staunen bis Begeisterung war alles dabei; ich glaube, damit hat kaum jemand gerechnet.“ Für Kayla Moya Latham (Q13) war vor allem der Schlussmonolog eindrucksvoll: „Es war plötzlich ganz still im Saal. Ich habe nur meine eigene Stimme gehört. Das Publikum war vollkommen konzentriert.“ Auch die humorvollen Passagen entfalteten Wirkung, wobei das Lachen des Publikums nicht an jedem Abend an denselben Stellen kam; eine Erfahrung, die das Ensemble flexibel und professionell aufnahm.

Neben aller Spielfreude stand stets die inhaltliche Auseinandersetzung im Mittelpunkt. „Wenn man eine Figur spielt, muss man plötzlich begründen, warum sie so handelt“, erklärt Antonio Cabrita (Q12). Dadurch werde Moral konkret und persönlich. Victoria Heilmann (Q12) unterstreicht: „Das Stück zeigt die Folgen von Passivität und Wegschauen. Gerade in einer Welt voller politischer Umbrüche ist das erschreckend aktuell.“

Drei ausverkaufte Abende, wiederholter Szenenapplaus und ein begeistertes Publikum machten deutlich: Diese Inszenierung war mehr als eine schulische Theateraufführung. Sie war ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie junge Menschen sich mit klassischen Stoffen kritisch auseinandersetzen, sie kreativ weiterdenken und mit großer künstlerischer Qualität auf die Bühne bringen können.

 

Bildnachweis: Dr. Johannes M. Knoblach